
Oftmals belächelt, manchmal auch als unbequem
bezeichnet, leisten heute die Werbegemeinschaften und Gewerbevereine
eine Vielzahl von Maßnahmen, ihre Stadt attraktiver zu gestalten.
Sie sind nicht selten der Aktivposten für das Image ihrer Stadt.
1994 wurde in Bonn der Bundesverband Werbegemeinschaften &
Gewerbevereine BWG e.V. gegründet.
Dirk C. Mertens, der
Hauptgeschäftsführer des Verbandes nimmt Stellung zu den
Aufgaben und Zielen des Verbandes.
Verkaufen: Welche Ziele verfolgt Ihr Bundesverband?
Mertens: Unser Verband versteht sich in erster Linie als Netzwerk
frei nach unserem Motto „in Gemeinsamkeit stark“. Wir vernetzen die
Interessen und Erfahrungen unserer Mitglieder bundesweit, so dass
einer vom anderen profitieren kann. Die meisten Werbegemeinschaften
und Gewerbetreibenden verfolgen ähnliche Ziele und unterliegen dabei
Aufgaben, die immer wiederkehrend sind. Aufgrund unseres
Mitgliedernetzwerkes lernt ein Mitglied vom anderen, denn das Rad
muss nicht immer neu erfunden werden und Kosten sparen lassen sich
dadurch auch. Weiterhin verstehen wir uns als Bundesverband als das
Expertenteam, wenn es um die konzeptionelle Unterstützung im Bereich
Stadtmarketing geht oder um die Veranstaltung von Events und Awards.
Gemeinsam mit unserer Berufsverbandsakademie, der
Marketing-Business-Akademie, sorgen wir für die berufliche
Weiterqualifizierung unserer Mitglieder und deren Personal und
greifen Tipps und Trends im Bereich des Stadtmarketings auf.
Verkaufen: Von einem Bundesverband erwartet man auch
eine Interessenvertretung gegenüber Politik und Behörden. Wie stellt
sich da der BWG auf?
Mertens: Bei unseren Mitgliedern handelt es sich generell um kleinere und mittlere Unternehmen. Sie sind alle die typischen Vertreter des deutschen Mittelstandes. Das Gewerbe trägt die Städte. Hierbei kommen den Werbegemeinschaften und Gewerbevereinen vor Ort wesentliche Aufgabe zu, z.B.:
Die Synchronisation von Wirtschaft und Politik, von Unternehmen und Verwaltung
Die Durchführung allgemeiner Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Städte oder die
Zusammenarbeit mit den Kommunen hinsichtlich Verkehrs- und Bauplanung sowie Schaffung einer zielorientierten Infrastruktur
Als bundesweite Interessenvertretung der Werbegemeinschaften, Gewerbevereine und Gewerbetreibenden fördern wir die wirtschaftspolitischen Interessen des Mittelstandes, insbesondere durch gemeinsame Aktionen. Der BWG arbeitet eng mit den politischen Gremien auf kommunaler, Landes- und Bundesebene zusammen, wobei wir als Verband unabhängig und überparteiisch sind. Um wirtschaftspolitisch den Sorgen und Notwendigkeiten unserer mittelständischen Mitglieder noch besser Rechnung zu tragen, arbeiten wir an der Initiative „BWG pro Mittelstand“. Mit dieser Initiative wollen wir die Interessensvertretung weiter intensivieren und noch stärker auf die Politik zugehen, wobei wir uns nicht nur als partnerschaftlicher Ideengeber präsentieren sondern auch als einflussstarker Kämpfer für unsere Mitglieder.
Verkaufen: Werden nicht noch zu wenig die praktischen Möglichkeiten kommunaler Wirtschaftspolitik genutzt?
Mertens: Ja, Sie haben Recht. Die praktischen Möglichkeiten kommunaler Mittelstandspolitik sind außerordentlich vielfältig. Sie erstrecken sich von der Analyse und Beseitigung so genannter exogener Faktoren, hier vor allem der wettbewerbsmäßigen Benachteiligungen kleinerer Unternehmen oder deren großen bürokratischen Belastung bis hin zur Überwindung so genannter endogener Spannungen, die besonders im Zuge struktureller Wandlungen bei Klein- und Mittelbetrieben auftreten und dort das Wachstum gefährden. Dabei ist es eines unserer wichtigen Anliegen, die klein- und mittelständischen Unternehmer weiter zu zu ermutigen, die Politikverdrossenheit zu beseitigen und das politisch-wirtschaftliche Verantwortungsbewusstsein dieser Unternehmer wieder zu stärken.
Verkaufen: Welche kommunalpolitischen Aktivitäten
können durch die Werbegemeinschaften und Gewerbevereine geleistet
werden?
Mertens: Hier gibt es eine hohe Vielzahl von Aufgaben. Stellvertretend seinen hier die Mitarbeit in kommunalen Gremien, Einwirkung auf Parteien und Verwaltung zu wirtschaftsverträglichen Beschlüssen, Durchführung von Veranstaltungen zur Steigerung der Attraktivität der Orte oder aber der Erfahrungsaustausch mit anderen Gewerbevereinen und Werbegemeinschaften erwähnt. In allen diesen Punkten kommt dem BWG als Netzwerk eine sehr zentrale Funktion zu.
Verkaufen: Sie veranstalten zusammen mit der Marketing-Business-Akademie Seminare für Unternehmer und Kommunalpolitiker, also den Entscheidungsträgern vor Ort, zum Thema Stadtmarketing. Wie wichtig ist der Austausch von Erfahrungen zahlreicher Händler- und Gewerbegemeinschaften auf Bundesebene?
Mertens: Sehr wichtig, denn gerade dieser Netzwerkgedanke war der Hauptgrund für die Gründung des BWG. Speziell dem Stadtmarketing kommt in Zeiten, wo in vielen Kommunen leere Kassen vorherrschen oder Haushaltssperren existieren, eine gehobene Bedeutung zu. Es gilt, durch geeignete Konzepte die Attraktivität der Städte zu erhöhen, die Kaufkraft zu erhalten bzw. neue Kaufkraft anzuziehen. Viele Gemeinden haben leider die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt und verstehen Stadtmarketing immer noch nicht als geeignetes Instrument, die gesamte Wirtschaftskraft zu steigern. Als Verband unterstützen wir unsere Mitglieder einerseits mit geeigneten Marketingkonzeptionen und tragen durch den Erfahrungsaustausch in unserem Netzwerk dazu bei, dass Fehlentscheidungen vermieden werden, denn neben den Tops berichten wir auch von den Flops. Speziell bei den von Ihnen angesprochenen Seminaren können die Teilnehmer reichhaltigen Erfahrungsaustausch betreiben, denn wir leben die Gemeinschaft in unserem Verband und jedes Mitglied leistet wertvolle Beiträge zum Erhalt und dem weiteren Ausbau unserer Verbandsgemeinschaft.
Verkaufen: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihre weitere Arbeit!